CHAPEAU!

Wieder dürfen wir den Chapeau erwartungsvoll claquen und den Hut vor herausragenden jungen Musikerinnen und Musikern ziehn. Wieder kommen aktuelle und frühere GWK-Preisträger nach Münster, um sich solistisch oder mit ihren Ensembles vorzustellen: die Sopranistin Anna- Sophie Brosig ist frischgebackene Förder­preisträgerin 2016, der 18-jährige Pianist Jun-Ho Yeo, der noch in Hannover studiert, wurde 2015 von uns ausgezeichnet. Die Blockflötistin Anna Stegmann, GWK-Preisträgerin 2007, ist Gründungsmitglied des international besetzten und von der Kritik hoch gelobten Barockorchesters „Ensemble Odyssee“ mit Sitz in Amsterdam. Die Pianistin Kimiko Imani bekam schon 2000 unseren Preis und kommt als Partnerin u.a. des Fagottisten Marceau Lefèvre zurück, der 2014 unsern internationalen Holzbläserwettbewerb „hülsta woodwinds“ gewann. Nikola Komatina, den wir 2013 auszeichnen konnten, verstärkt das SIGNUM Saxophonquartett bei seiner „Balkanication“, und im Mariani Klavierquartett meldet sich mit Gerhard Vielhaber am Klavier ein Preisträger von 2003 zurück. Sie alle gehen ihren Weg, selbstbewusst und sympathisch, mit einem unerschütterlichen Willen zur Kunst, charismatisch. Und so fesselt ihre Kunst – um zu befreien. Sie lässt uns fliegen.

„Musik gibt Dir eine Freude, die Dir nichts sonst im Leben geben kann“, sagt Daniel Barenboim in einem seiner spannenden Youtube-Videos. Und im Hinblick auf die Musiker_innen macht er ihr erfolgreiches Tun auch zur Charakterfrage: „Musik ist Integration, Wille, brennende Intensität – das kann man nicht unterrichten.“ Doch wir alle spüren es, wenn genau diese Entschlossenheit und Konzentration, dieses umfassende Verstehen dessen, was sie tun, des Ganzen wie seiner Details und ihres Bezugs darauf, die Aufführung der Musizierenden bestimmen. Dann wird die Musik nicht mehr nur ein beliebiges Vehikel, um den Alltag zu vergessen, sondern ein Medium persönlichen Wachstums. „Sie ermöglicht“, um wieder mit Barenboim zu sprechen, „eine Lust und eine Freude, emotionale Erfahrungen, die anders nicht möglich sind.“

Doch das ist an Bedingungen seitens der Hörenden geknüpft, vor allem an diese: „Du musst den Willen haben, Dich mit der Musik zu verbinden“, so Barenboim weiter. Die Musikkulisse im Hintergrund eines Gesprächs oder bei der Arbeit, den überlauten maschinellen Beat, der sich aufdrängt im öffentlichen und halböffentlichen Raum der Restaurants, Cafés und Geschäfte, der die Stimmung heben, d.h. den Konsum forcieren soll, meint Barenboim nicht. Er spricht von Musik, die die Seele erhebt. Deshalb wachsen wir durch sie. Und was wir tun müssen, um das zu bekommen, was nur sie uns geben kann, hat Barenboim in einer knappen ‚Gebrauchsanweisung‘ formuliert: „Fokussier Dich, konzentrier Dich, total. Nimm Dir ein paar Sekunden Stille – und dann flieg mit der Musik.“ In diesem Sinne lade ich Sie, auch im Namen unserer Premium Förderpartner: der NRW.BANK und des LWL, der Provinzial Kulturstiftung und von innogy, herzlich zur nächsten Saison von CHAPEAU CLASSIQUE ein und wünsche Ihnen einen guten Flug.

Ihre


Dr. Susanne Schulte
Geschäftsführerin der GWK