SO 05.02.2017 18 Uhr ERBDROSTENHOF Salzstraße 38 | 48143 Münster

 
»WANDERER«

Jun-Ho Yeo Klavier

Programmänderung: Jun-Ho Yeo musste kurzfristig sein Abendprogramm ändern. Er wird statt Schuberts "Wanderer"-Fantasie Beethovens Opus 111 spielen.

„Der Teufel soll dieses Zeug spielen!“ Schubert selber beherrschte die „Wanderer“-Fantasie, mit ihrem großen pianistischen Schwung, der voll­griffigorchestralen Satztechnik als Pianist nie. Ihr Thema stammt aus seinem Lied „Der Wanderer“, der Melodie von: „Die Sonne dünkt mich hier so kalt, / Die Blüte welk, das Leben alt, / Und was sie reden, leerer Schall, / Ich bin ein Fremdling überall.“ Das Lied endet mit: „Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück.“ Ob sich der Komponist – wohl selbst ein „Wanderer“ – durch seine Fantasie aus der Schwermut hinausphantasierte, sie im faszinierenden Arpeggienrausch des vierten Satzes ertränkte?

Schon der Junge liebte es, am Klavier zu Texten zu improvisieren: Auch Chopins Balladen sind durch die „Litauischen Balladen“ von Adam Mickiewicz inspiriert – ein sanfter Erzählton zu Beginn, Glanz und begeisterter Aufschwung am Ende. Bestrickend gesanglich und melodiös, träumerisch, dunkel und ausdrucksstark die Nocturnes: „Romantische Subjektivität, ein Entblößen der intimsten psychischen Sphären waren das Neue, das hier mit der Suggestion einer sehr persönlichen, fast esoterischen Tonsprache den Hörer betörte und bezauberte.“ (W. Oehlmann) Gesang, Oper auch als Grundlage von Liszts berühmten Reminiszenzen an Mozarts „Don Giovanni“: „Die Hauptpersonen und -situationen (…) gingen an uns wie lebendig vorüber, wobei auch die Brillanz und Erhabenheit des Spiels mit Tönen, die ‚Pyrotechnik‘ der Kunst des Virtuosen, (…) die verblüffendsten, blendendsten Ausmaße annahm, um in dem Feuerwerk der Triller, filigranartigen Verzierungen, Kaskaden, blitzeschleudernden Oktaventonleitern unerwartet aufs neue die Themen aufsteigen zu lassen, wie auftauchend aus diesem Tonschwall, sich umarmend und in immer neuen wunderlichen Arabesken miteinander verflochten.” (A. Serow).

Jun-Ho Yeo (*1998 Münster) spielt „dieses Zeug“ und nimmt es mit großen Pianisten, die für sich selber komponierten, auf. Der GWK-Preisträger von 2015 und Gewinner zahlreicher anderer Wettbewerbe, der als Jungstudent von Karl-Heinz Kämmerling, Vassilia Efstathiadou und Matti Raekallio an der Hochschule in Hannover, unterrichtet wurde, studiert seit 2016, nach einem Stopover in Wien bei Jan Jiracek von Arnim, bei dem renommierten Klavierpädagogen Bernd Goetzke in Hannover.

PROGRAMM
Joseph Haydn (1732–1809): Sonate As-Dur Hob. XVI-46
Franz Liszt (1811–1886): Reminiscences de Don Juan
Frédéric Chopin (1810–1849): Ballade Nr. 3 As-Dur op. 47
Frédéric Chopin: Nocturne op. 9 Nr. 1 b-Moll, Nr. 2 Es-Dur, Nr. 3 H-Dur
Ludwig van Beethoven (1770-1827): Sonate c-Moll Nr. 32 op. 111



 Deckenfresko im barocken Erbdrostenhof
 in Münster.