SO 06.11.2016 18 Uhr ERBDROSTENHOF Salzstr. 38 | 48143 Münster

 
»SEHNSUCHT«

Anna-Sophie Brosig Sopran
Anastasia Kovbyk
Klavier

„Es war, als hätt der Himmel, / Die Erde still geküsst“ – zutiefst berührend macht Schumanns „Mondnacht“ die romantische Sehnsucht nach dem Aufschwung der Seele und ihrem ewigen Zuhause fühlbar. Um Sehnsucht geht es an diesem Liederabend, mithin um das Glück. Sehnsucht, die ihre Erfüllung im Unendlichen oder Ewigen, in Erkenntnis oder dem Frühling, einem neuen Aufbruch, in Liebe und Hochzeit findet.
So widmete Schumann den Liederkreis „Myrthen“, mit u.a. der „Widmung“, seiner „geliebten Braut“ Clara Wieck: „Du meine Welt, in der ich lebe, / Mein Himmel du, darein ich schwebe“. Rihms „Hochroth“ ist ein dunkel glühender, todes­schwangerer Liebesschwur: „Du innig Roth, / Bis an den Tod / Soll meine Lieb Dir gleichen“. „Son“ dagegen macht die Sehnsucht nach der Leichtigkeit des Traumes spürbar.
Oder aber es geht um enttäuschte existenzielle Sehnsucht, etwa das Streben nach dem Glück des Forschers. Um der Schwermut nicht zu erliegen, sucht er sich ein anderes Traum-Ziel: eine „zweite Kindheit“. So wünscht sich Brahms innigst: „O zeig mir doch den Weg zurück, / Den lieben Weg zum Kinderland! / Vergebens such ich nach dem Glück, / Ringsum ist öder Strand.“ Wie, wenn nicht die illusionäre Kindheit, sondern das Lied selbst das einzig reale Therapeutikum der Melancholie wäre?
Schon als Kind soll Mozart „An die Freude“ geschrieben haben ... Die Geborgenheit der Kindheit blitzt mit einem Augenzwinkern in Strauss‘ „Schlechtes Wetter“ auf: Ein Mann schaut durchs Fenster in die Dunkelheit hinaus, bemerkt eine alte Frau auf der Straße – und phantasiert sich ihre junge Tochter dazu: „Die liegt zu Haus im Lehnstuhl, / Und blinzelt schläfrig ins Licht; / Die goldnen Locken wallen / Über das süße Gesicht.“ Sehnsucht – in diesen Liedern und ihnen verwandten Klavierstücken wird sie selber zum Glück.

PROGRAMM
Robert Schumann (1810–1856): Widmung, Talismane, Aus den hebräischen
Gesängen, Zum Schluss, Waldesgespräch, Mondnacht, Im wunderschönen Monat Mai,
Er, der Herrlichste von allen
Frédéric Chopin (1810–1849): Etude op. 10 Nr. 5 Ges-Dur für Klavier
Wolfgang A. Mozart (1756–1791): An die Freude, Abendempfindung,
Sehnsucht nach dem Frühlinge
Franz Liszt (1811–1886): Consolation Nr. 3 für Klavier
Johannes Brahms (1833–1897): Es hing der Reif, Dein Blaues Auge,
O wüsst ich doch den Weg zurück, Ich sah als Knabe Blumen blühn
Sergej Rachmaninow (1873–1943): Prelude G-Dur, op. 32 Nr. 5, Nr. 3 aus:
Moments musicaux h-Moll op. 16,
Prelude cis-Moll, op. 33 Nr. 9 für Klavier
Sergej Rachmaninow: Son (Traum)
Wolfgang Rihm (*1952): Hochroth
Richard Strauss (1864–1949): Schlechtes Wetter


Anna-Sophie Brosig (*1988), GWK-Förderpreisträgerin 2016, studierte in Münster und Detmold bei Annette Koch, Susan Anthony und Caroline Thomas. In diesem Jahr machte sie in Detmold ihren Master mit Bestnote. Schon während ihres Studiums hatte sie einen Gastvertrag am Theater Bielefeld als Solistin. In dieser Spielzeit ist sie als Solistin am Theater Münster zu Gast.

Anastasia Kovbyk (*1990 Uljanowsk, Russland) studierte am Staatlichen Glinka-Konservatorium in Nizhny Novgorod Klavier und Orgel. Sie ist Preisträgerin des Int. Rachmaninov-Wettbewerbs (Darmstadt) und des 15. Int. Musikwettbewerbs Pietro Argento (Gioia-del-Colle, Italien). Derzeit studiert sie Orgel bei Martin Sander in Detmold.



  Der LWL freut sich auf ein schönes
  Konzert in seinem Erbdrostenhof.